Streicherträume mit der Neuen Philharmonie: Im September kommt Stadt.Land.Klassik! mit drei Meisterwerken für Streichorchester zu Ihnen: Eine kleine Nachtmusik – dem genialen Meisterwerk von Wolfgang Amadeus Mozart, der hochemotionale Streicherserenade von Pjotr Iljitsch Tschaikowski und einer außergewöhnlichen Version der „Vier Jahreszeiten“ vom Meister des Tangos, Astor Piazzolla. Zwischen klassischer Eleganz, romantischer Klangfülle und leidenschaftlichen Tangorhythmen entfaltet sich ein facettenreicher Konzertabend, der den Sommer musikalisch eindrucksvoll ausklingen lässt.
Freuen Sie sich auf das Streichorchester der Neue Philharmonie MV unter der Leitung von Andreas Schulz. Solist ist der Konzertmeister der Philharmonie, Juan-Esteban Rendón.
Liebe Konzertbesucherin, lieber Konzertbesucher,
herzlich willkommen zu unseren Septemberkonzerten der Reihe „Stadt.Land.Klassik!“. Wir freuen uns, erneut in Anklam, Malchow, Teterow und Pasewalk für Sie musizieren zu dürfen.
Zum Ausklang des Sommers erwartet Sie ein Programm voller Leichtigkeit und Leidenschaft. Den Auftakt bildet Wolfgang Amadeus Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“, ein Werk zeitloser Eleganz mit Melodien von sommerlicher Leuchtkraft.
Anschließend entführen uns Ástor Piazzollas „Vier Jahreszeiten in Buenos Aires“ in die Klangwelt des argentinischen Tangos. Mitreißende Rhythmen, schwärmerische Melodien und überraschende Kontraste vereinen Sinnlichkeit, Melancholie und Leidenschaft. Den Solopart übernimmt unser Konzertmeister Juan-Esteban Rendón.
Mit Pjotr Iljitsch Tschaikowskis berühmter Streicherserenade erreicht der Konzertabend seinen romantischen Höhepunkt. Der warme Klang des Streichorchesters verbindet klassische Klarheit mit tiefem Gefühl.
„Stadt.Land.Klassik!“ wird durch die Unterstützung vieler engagierter Partner ermöglicht. Mein besonderer Dank gilt dem Land Mecklenburg-Vorpommern für die erneute Förderung sowie dem Vorpommern-Fonds, Nordkurier Mediengruppe, NDR-Kulturförderung und Notus Energy für ihre wertvolle Unterstützung.
Ihnen danken wir für Ihre Treue, Ihre Neugier und die gemeinsame Begeisterung für klassische Musik.
Wir wünschen Ihnen einen anregenden und unvergesslichen Konzertabend!
Ihr
Andreas Schulz
Künstlerischer Leiter der Neuen Philharmonie MV
Serenade Nr. 13 für Streicher „Eine kleine Nachtmusik“, KV 525
I. Allegro
II. Romanze: Andante
III. Menuetto: Allegretto – Trio
IV. Rondo: Allegro
Ástor Piazzolla (1921-1992)
Las cuatro estaciones porteñas
„Die vier Jahreszeiten in Buenos Aires“
– Verano Porteño (Sommer in Buenos)
– Otoño Porteño (Herbst in Buenos)
– Invierno Porteño (Winter in Buenos)
– Primavera Porteña (Frühling in Buenos)
– Pause –
Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893)
Streicherserenade, op. 48
I. Pezzo in forma di sonatina: Andante non troppo –
Allegro moderato
II. Valse: Moderato – Tempo di valse
III. Élégie: Larghetto elegiaco
IV. Finale (Tema russo): Andante – Allegro con spirito
Sein großes Interesse an Solo-Violine, Kammermusik sowie Orchestermusik brachte ihn dazu, eine Karriere als vielseitiger Violinist anzustreben.
In seinem Herkunftsland feierte er als junger Violinist einige Erfolge. Er erhielt den ersten Preis des vom Philharmonischen Orchester Bogotá organisierten Wettbewerbs „Ciudad de Bogotá“ sowie den Preis „Jóvenes Talentos de la Música“ der Alliance Française. Ebenfalls wurde Juan-Esteban mehrmals für die renommierte Konzertreihe „Serie de los Jóvenes Intérpretes“ ausgewählt, was ihn dazu brachte, landesweit aufzutreten. Dank der Salvi-Stiftung beteiligte er sich mehrmals am Cartagena International Music Festival als Stipendiat, wo er u.a. vom Borodin Quartett Meisterkurse erhielt.
Juan-Esteban studierte bei Fabio Santana in Bogotá und bei Simone Bernardini und Prof. Mo Yi an der Universität der Künste Berlin. 2022 spielte er seine erste Konzerttournee als Solist mit einem Orchester in Deutschland. Im selben Jahr trat er die Position als Konzertmeister der Neuen Philharmonie an.
Als Kammermusiker ist Juan-Esteban insbesondere seit 2025 als Geiger des Synergia Piano Trios tätig. Er ist auch Gründungsmitglied und Primarius des Lynx Quartetts.
Derzeit spielt er eine Geige von Jacob Veit Mueller und, dank der Unterstützung der Takaya-Urakawa-Stiftung, einen Bogen von Gregor Walbrodt. Er lebt in Berlin.
Als Wolfgang Amadeus Mozart am 10. August 1787 seine „Eine kleine Nachtmusik“ in sein Werkverzeichnis eintrug, arbeitete er gleichzeitig an der Oper „Don Giovanni“. Wohl kaum hätte er geahnt, dass gerade diese Serenade zu seinem berühmtesten Instrumentalwerk werden würde. Ursprünglich fünfsätzig angelegt, ist sie heute nur noch in vier Sätzen erhalten – ein Menuett mit Trio gilt als verloren.
I. Allegro
Der eröff nende Satz begeistert mit seinem markanten An-
fangsmotiv und einer Klarheit, die ihn zum Musterbeispiel der klassischen Sonatenform machte. Seine elegante Leichtigkeit und eingängigen Themen verleihen ihm bis heute unmittelbare
Strahlkraft.
II. Romanze: Andante
Die Romanze entfaltet einen warmen, gesanglichen Klang, der an Mozarts Opernarien erinnert. Zwischen inniger Ruhe und bewegteren Passagen entsteht eine Atmosphäre von nächtlichem Zauber.
III. Menuetto: Allegretto
Das Menuett verbindet höfi sche Würde mit tänzerischer Eleganz. Im kontrastierenden Trio zeigt sich eine heitere, beinahe volkstümliche Leichtigkeit.
IV. Rondo: Allegro
Das Finale beschließt die Serenade mit sprühender Spielfreude und schwungvoller Virtuosität. Sein luftiger Charakter und das charmante Rondothema verleihen dem Werk einen beschwingten Ausklang.
Ob für das gesellige Musizieren im Freundeskreis oder für die Auff ührung vor adligem Publikum – Mozarts Serenade verbindet kunstvolle Form mit natürlicher Eleganz. Gerade
diese Verbindung macht „Eine kleine Nachtmusik“ bis heute zu einem der beliebtesten Werke der klassischen Musik.
Mit den „Vier Jahreszeiten in Buenos Aires“ schuf Ástor Piazzolla eine leidenschaftliche wie eigenständige musikali-
sche Gestaltung des Jahreszeiten-Zyklus. Das spanische Wort „porteño“ bezeichnet die Bewohnerinnen und Bewohner der argentinischen Hauptstadt und verweist auf die besondere Atmosphäre der Hafenmetropole Buenos Aires. Die vier Stücke entstanden ursprünglich nicht als geschlossener Zyklus, sondern zwischen 1965 und 1970 als einzelne Kompositionen für Piazzollas eigenes Quintett (Bandoneon, Violine, Klavier, E-Gitarre, Kontrabass). In ihnen verbindet Piazzolla den traditionellen argentinischen Tango mit Elementen des Jazz und der klassischen Musik. Scharfe rhythmische Akzente, melancholische Melodien, abrupte Stimmungswechsel und improvisatorisch wirkende Passagen prägen eine Musik, die zugleich von Großstadtunruhe, Sinnlichkeit und tiefer Sehnsucht erfüllt ist.
In der Bearbeitung des russischen Komponisten Leonid Desyatnikov wird eine Verbindung zu Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ gestellt und hervorgehoben. Immer wieder erscheinen Zitate und Anspielungen auf das barocke Meisterwerk. Dabei sind die Jahreszeiten auf der südlichen Erdhalbkugel gegenüber Europa vertauscht: Wenn in Buenos Aires Sommer ist, herrscht in Vivaldis Italien Winter. Desyatnikov spielt bewusst mit dieser Gegenüberstellung und lässt beide musikalischen Welten miteinander in Dialog treten.
Die Solovioline übernimmt eine ausgesprochen virtuose Rolle. Sie wechselt zwischen lyrischer Kantabilität, perkussiver Schärfe, tänzerischer Energie und beinahe improvisatorischer Freiheit. So entsteht ein farbenreicher Zyklus, in dem sich die Klangwelt des Tango Nuevo mit europäischer Konzerttradition verbindet.
Tschaikowskis Streicherserenade entstand im Jahr 1880 und zählt zu den bedeutendsten Werken für Streichorchester. Der Komponist schrieb sie nach eigener Aussage aus innerem Antrieb und mit großer Begeisterung. Während viele seiner Kompositionen von Selbstzweifeln und mühsamen Arbeitsprozessen begleitet waren, scheint ihm die Serenade vergleichsweise leicht von der Hand gegangen zu sein.
Der erste Satz beginnt mit einer feierlichen Einleitung, deren kraftvolles Thema am Ende des Satzes wiederkehrt. Darauf folgt ein eleganter Walzer, der zu den bekanntesten Abschnitten des Werkes gehört. Mit schwebender Leichtigkeit und feinen rhythmischen Verschiebungen zeigt sich hier Tschaikowski als meisterhafter Komponist des Tanzes. Das anschließende „Élégie“ bildet das emotionale Zentrum der Serenade. Seine innigen Melodien entfalten eine Atmosphäre tiefer Nachdenklichkeit und melancholischer Wärme.
Im Finale greift Tschaikowski auf russische Volksmelodien zurück. Nach einer ruhigen Einleitung entwickelt sich ein lebhafter, zunehmend temperamentvoller Satz. Am Ende kehrt das majestätische Thema des Beginns wieder und verbindet das Werk zu einer geschlossenen Einheit. Die Serenade stellt höchste Anforderungen an Klangkultur, Zusammenspiel und Ausdrucksfähigkeit des gesamten Ensembles. Zugleich vermittelt sie eine unmittelbare emotionale Kraft, die zwischen klassischer Klarheit und romantischer Leidenschaft vermittelt.
Mit seiner Streicherserenade schlägt Tschaikowsky eine Brücke zu Mozart. Dessen Musik begleitete ihn ein Leben lang und war für ihn Inbegriff von Schönheit, Klarheit und innerer Ruhe.
Als Hommage an den verehrten Klassiker entstanden, übernimmt die Serenade jedoch nicht dessen Stil, sondern dessen Geist: klassische Ausgewogenheit und Eleganz verschmelzen mit Tschaikowskis unverwechselbar romantischer Tonsprache.
Weit gespannte Melodien, leidenschaftliche Steigerungen und der warme Klang des Streichorchesters machen das Werk zu einer ebenso persönlichen wie zeitlosen Verneigung vor Mozart.